Eine der wesentlichen Grundlagen der Wohn- und Architekturpsychologie sind die Wohnbedürfnisse. Es sind all jene Bedürfnisse, die einen räumlichen Bezug zur gebauten und natürlichen Wohnumwelt aufweisen.

Grundlegende Merkmale:

  1. Sie sind von allgemein menschlicher und nicht von spezieller individueller Natur
  2. Ein Bedürfnis ist kein einmaliges Phänomen. Bedürfnisse treten immer wieder auf, entweder in zyklischen Abständen und/oder anlassbedingt
  3. Bedürfnisse sind in jedem Menschen veranlagt und untrennbar mit der menschlichen Existenz verbunden. Sie können weder angelernt noch wegmanipuliert werden. Sie können nur fallweise unterdrückt, zeitweise verdrängt, jedoch nicht gänzlich eliminiert werden.

 

In der Kommunikation zwischen Kunden (Wohnenden) und Planenden (Architekten, Baumeistern) wird häufig ausschließlich über Anforderungen und Wünsche gesprochen, nicht aber über die Wohnbedürfnisse. Das liegt daran, dass diese nicht bekannt sind bzw. nicht bewusst sind. Denn aktuell besteht immer noch ein tiefer Graben zwischen den Humanwissenschaften (Psychologie, Neurowissenschaften, Anthropologie etc.) und den Fachgebieten, die mit Planen und Bauen zu tun haben. Für die Errichtung menschlicher Lebensräume braucht es beides gleichermaßen: die bautechnischen, architektonischen Wissenschaften als auch die Humanwissenschaften.

Wenn es darum geht, wie gebaute Umwelten auf Befinden und Verhalten wirken, auf die persönliche Entwicklung und die zwischenmenschlichen Beziehungen, so betrift dies in erster Linie psychologische Forschungsfelder.
Ich möchte dir heute die 8 Hauptebenen der Wohn- und Architekturpsychologie vorstellen. Diese definieren die Lebensqualität von gebauten Strukturen, also inwieweit Gebäude und Umfeld, unsere Wohnbedürfnisse erfüllen können.

Die erste Ebene SENSORIK und WAHRNEHMUNG befasst sich mit Wahrnehmungsprozessen und deren Wirkung auf unser Nervensystem und Gehirn und folglich auf Empfinden, Denken und Verhalten.
Die Ebene zwei, SOZIALE BEZIEHUNGEN behandelt Themen wie zwischenmenschliche Interaktionen, Kommunikation, Beziehungen, Konflikte etc. jeweils im räumlichen Zusammenhang.
Bei Ebene drei SCHUTZ, SICHERHEIT, KONTROLLE geht es um zwei große Themengruppen: „Schutz der Privat- und Intimsphäre“ sowie „Sicherheit und Sicherheitsempfinden“. Gerade beim Wohnen gehen diese fließend ineinander über.
Ebene vier ANEIGNUNG und PERSONALISIERUNG ist bei mir persönlich besonders stark ausgeprägt. Es ist eine der Kernaufgabe jedes Wohnbaus, Gestaltungs- und Aneignungsprozesse zu ermöglichen oder sogar zu unterstützen als auch die Entstehung emotionaler Ortsbindung (Heimatgefühl) und Ortsidentität zu erreichen.
Die Ebene fünf widmet sich dem Thema ERHOLUNG und STRESSBELASTUNG. Eine wesentliche Aufgabe von Wohnungen und Wohnumfeld ist die Unterstützung von Erholung und Regeneration als auch die Reduktion von Stressoren unterschiedlichster Art.
ENTWICKLUNG, ENTFALTUNG, LEBENSPHASEN sind die Inhalte der Ebene sechs. Die eigene Lebenswelt bildet einen wichtigen Nährboden für die individuelle Entwicklung, Reifung und Entfaltung von Personen jeden Alters. Darüber hinaus leistet eine entsprechend geplante Wohnumwelt einen Beitrag zu einem erfüllten Leben als auch zur Stärkung des Selbstwertempfindens, zur Erhöhung der Lebenszufriedenheit sowie zu einem Gefühl der Lebendigkeit.
Eine der für mich absolut spannendsten Ebenen, ist die siebente Ebene: RAUM und VERHALTEN. Jede räumliche Struktur fördert bestimmte Verhaltensmuster, jede Gestaltung und Ausstattung animiert uns zu bestimmten Umgangs- und Nutzungsweisen. Räume bestimmen das Verhalten großteils, ohne dass sich die Betroffenen selbst darüber bewusst sind!


Und mit der achten Ebene, sind wir bei meiner Lieblingsebene angekommen: GESUNDHEIT & BEHAGLICHKEIT. Diese Ebene thematisiert, inwieweit die Wohnung und Wohnumgebung die physiologischen (körperlichen) Prozesse unterstützen und damit gesundheitsförderlich wirken können. Sie stellt bereits den Übergang zu baubiologischen bzw. umweltmedizinischen Themen dar (Umweltgifte, gesunde Materialien, Raumklima etc.), die ergänzend zu Wohn- und Architekturpsychologie zu betrachten wären. Ein klarer Fall für die Wohn-Raum-Baubiologin also. ;-)

Neben der Qualitätsanalyse von Gebäuden biete ich auch (Wohn-)Bedürfnisanalysen an. Dabei geht es darum, herauszufinden, wie stark die einzelnen Wohnbedürfnisse bei dir ausgeprägt sind. Ich freue mich, wenn du dich darauf einlassen möchtest.

 

Alles Liebe,
Birgit