Das unsichtbare Geheimnis harmonischer Innenräume und was das Ganze mit Musik zu tun hat.

Der Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente wird jährlich am 31. Juli gefeiert. Er soll dazu dienen, auf weniger bekannte oder außergewöhnliche Instrumente aufmerksam zu machen. Genau das möchte ich tun, deshalb stelle ich dir heute das Monochord (oder auch Kanon, aus dem lateinischen canon für Maßstab) vor.

Dem Mathematiker und Philosophen Pythagoras wird nachgesagt, das Monochord erfunden zu haben, ein Musikinstrument mit ein oder mehreren gleich langen Saiten und einem Resonanzkörper (siehe Bild). Durch verschiebbare Holzklötze, sogenannte Stege können die Saiten in der Länge unterteilt werden und so unterschiedlich hohe Töne erzeugen. Damit kommen wir endlich zu den Raumproportionen: Das Ziel ist nämlich, so „harmonikale Teilungen“ zu finden, die sich auf die Proportionen zum Bsp. von Bauwerken übertragen lassen.

Unter Raumproportionen versteht man das Verhältnis von Länge, Breite und Höhe eines Raumes zueinander. Diese Proportionen beeinflussen, wie groß, weit, oder gemütlich ein Raum wahrgenommen wird.

Wenn wir einen Raum betreten, spüren wir oft intuitiv, ob er „stimmt“ – ob er angenehm wirkt, offen oder beengt, ausgewogen oder unruhig. Dieses Gefühl entsteht nicht zufällig, sondern hat viel mit den Proportionen des Raumes zu tun. Raumproportionen sind eines der wichtigsten, aber am häufigsten übersehenen, Elemente der Innenarchitektur und Raumgestaltung.

Das Monochord macht die enge Verbindung zwischen Musik und Mathematik deutlich: jeder Ton hat nämlich einen mathematischen Wert, der sich aus seiner Verhältniszahl ergibt. Bspw. Quarte f = Verhältniszahl 3:4 = mathematischer Wert 0,75.
Das Größenverhältnis 3:4 bei einem Fenster könnte in cm ausgedrückt 120 hoch und 160 breit sein.
Jede Proportion (also das Verhältnis zueinander) hat, wie die Musik auch, eine psychische Wirkung auf uns Menschen!

In diesem Zusammenhang sei auch der Goldene Schnitt (ca. 1:1,618) erwähnt, der bis heute als harmonisches Maßverhältnis gilt.
Auch Le Corbusier entwickelte mit seinem „Modulor“ ein System, das auf menschlichen Körpermaßen basiert und ästhetische sowie funktionale Proportionen vereint. Denn auch die Proportionen des menschlichen Körpers unterliegen harmonikalen Gesetzen und galten bei vielen Völkern als Vorbild für sakrale und weltliche Gebäudegrundrisse. Alte Maßeinheiten wie Elle, Fuß, Spanne, waren Bestimmungsgrößen für den baulichen Maßstab und Proportionen.

Diese Prinzipien helfen, Räume zu gestalten, die visuell ausgewogen und natürlich angenehm wirken – selbst wenn wir nicht bewusst wahrnehmen, warum. Wohltuende Proportionen erfreuen übrigens nicht nur das Auge sondern bewirken auch eine hervorragende Akustik. 

Folgend 5 Praktische Tipps für harmonische Raumproportionen:

Große Räume zonieren – Sie wirken ausgewogener, wenn sie durch Möbel, Teppiche oder Licht in kleinere Bereiche gegliedert werden.

Mit Farben spielen – Dunkle Farben verkürzen, helle verlängern. Eine dunkle Decke lässt einen Raum niedriger erscheinen.

Vertikale und horizontale Linien gezielt einsetzen – Gardinen, Regale oder Wandverkleidungen können optisch strecken oder verbreitern.

Möbel proportional wählen – Zu große Möbelstücke erdrücken kleine Räume, zu kleine verlieren sich in großen Hallen.

Beleuchtung als Werkzeug – Unterschiedliche Lichtquellen betonen Tiefe und Höhe – und können Proportionen subtil ausgleichen.

Harmonische Raumproportionen sind also kein Zufall, sondern das Ergebnis von bewusstem Gestalten. Wer versteht, wie Längen, Breiten, Höhen und optische Effekte zusammenspielen, kann auch aus ungünstig geschnittenen Räumen wahre Wohlfühloasen machen.

Ob beim Neubau, beim Umbau oder einfach beim Einrichten – die richtigen Proportionen sind der Schlüssel zu einem stimmigen, lebendigen Raumgefühl. Das Ziel einer guten Raumgestaltung ist es, ausgewogene Proportionen zu schaffen – entweder durch die Architektur selbst oder durch gestalterische Mittel wie Farbe, Möbel, Beleuchtung und Materialien. Dabei unterstütze ich dich gerne!

Alles Liebe,
Birgit