Meine bisher größte Reise – und sie führte mich nicht weit weg

Wenn du jetzt an einen Reisebericht aus meinem Sommerurlaub gedacht hast, muss ich dich leider enttäuschen – ich war zuhause. Und das war schön! Auch wenn der verregnete Juli mein Stimmungsbarometer zeitweise etwas flach gehalten hat. ;-)

Die Reise, von der ich heute erzähle, ist viel größer. Sie begann Anfang 2007 – ganz ohne Koffer und Flugticket, dafür mit einem Stapel Lehrbücher: Ich startete mit den ersten Kursen für die Berufsreifeprüfung, die ich Ende 2008 erfolgreich abschloss. Plötzlich standen mir quasi alle Türen der Weiterbildung offen.

Auf der Suche nach dem passenden Weg

Ein Studium sollte es werden, doch keines wollte so recht zu mir passen. Architektur an der FH Spittal an der Drau? Innenarchitektur in Rosenheim? Beide Optionen klangen spannend, aber die Stundentafeln zeigten mir schnell, dass ich selbst nach sechs Semestern noch weit von meinem eigentlichen Ziel entfernt wäre.

Schließlich entschied ich mich für ein viersemestriges Kolleg für Innenraumgestaltung und Möbelbau – inklusive Praxisanteil. Der Nachteil: kein Selbsterhalter-Stipendium. Nach zehn Jahren als pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin bedeutete das: kein Einkommen, keine Unterstützung, keine Mindestsicherung. Also plünderte ich mein mühsam erspartes erstes Sparbuch, um mir diesen Traum zu erfüllen.

Während des ersten Schuljahres im Kolleg für Innenraumgestaltung und Möbelbau besuchte ich privat das Thoma Forschungszentrum in Goldegg (Salzburg). Dr. Erwin Thoma, der Erfinder der Vollholz-Bauweise Holz100, war für mich eine Inspiration. Seine Idee des natürlichen, gesunden Bauens faszinierte mich sofort. Das Foto oben entstand übrigens im September 2023, als Erwin Thoma bei der Landesinnungstagung der Tischler, in Kremsmünster (OÖ) eingeladen wurde. :-)

Damals wurde er in der „Holzbranche“ noch oft belächelt – auch von meinem Lehrer an der HTL in Linz. In meiner Euphorie war ich nämlich bereit, freiwillig ein Referat zu dieser Massivholzbauweise zu halten, doch der Herr Architekt meinte nur: Das wird sich nicht durchsetzen… schon alleine wegen des Brandschutzes… und mehrgeschossige Bauweisen sind fast ausgeschlossen. Mein Referat wäre also Zeitverschwendung. 

Nun ja – keine 15 Jahre später ist Holz100 international bekannt, und Dr. Thoma wird als Referent bei der Landesinnung Holzbau eingeladen. Manche Visionen brauchen eben Zeit, um Wurzeln zu schlagen.

Von Räumen, Materialien und Energien

Nach dem Kolleg wollte ich mein Wissen erweitern – diesmal ganz nach meinem Gefühl. Ich absolvierte eine umfassende Feng-Shui-Ausbildung, besuchte einen Lehmputz-Workshop bei der Firma Egginger in Bayern und entdeckte dabei meine Leidenschaft für natürliche Baustoffe.

Damals war Lehmputz noch eine absolute Seltenheit – heute gibt es zwar wieder mehr Produkthersteller, jedoch leider mitunter auch sehr fragwürde Produkte.

Zurück zur Natur

Meine Reise führte mich schließlich hinaus in den Garten – Natur pur, nicht nur in Form von Baustoffen. Ich besuchte Lehrgänge zu Sortenspezialitäten und Gemüseraritäten sowie „Die Gartenbäuerin“, und durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Naturkreislauf wurde mir klar, dass es noch ein großes Puzzleteil gibt, das zu meinem Weg gehört.

Ich entdeckte das Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit – und fand dort endlich die Themen, die mir im Kolleg gefehlt hatten. Aus dieser Begeisterung heraus legte ich meinen eigenen kleinen Duft- und Färbergarten an – meinen SINNvollen Garten. :-)

Mensch und Raum

Ein weiterer Aspekt der Baubiologie ist die Wohn- und Architekturpsychologie – und hier wusste ich: Das ist mein nächstes Kapitel.

Über einen Kongress der großartigen Architektin Anke Plehn, bei dem Bmst. Mag. Herbert Reichel als Wohnpsychologe zu Gast war, stieß ich auf das Institut für Wohn- und Architekturpsychologie (IWAP).

Nach dem Basis- und mehreren Aufbaulehrgängen fühle ich mich heute angekommen. Mein Wissensdurst ist fürs Erste gestillt, und all die einzelnen Fäden meiner bisherigen Reise haben sich zu einem großen Ganzen verknüpft.

Ankommen – und weitergehen

Ich habe nun alle „Werkzeuge“, um menschengerechte Lebensräume zu gestalten – und ein wunderbares Netzwerk an Kolleginnen und Kollegen, die diese Vision teilen.

Natürlich gibt es noch viel zu lernen und zu erleben, aber gerade genieße ich das Gefühl, an einem Punkt angekommen zu sein, der sich vollkommen richtig anfühlt.

Alles Liebe, 
Birgit