Was ist eine humanwissenschaftliche Qualitätsanalyse? Hast du schon mal davon gehört?
Auch mir war dieser Begriff vor ca. 3-4 Jahren noch unbekannt. Vor einem Jahr habe ich den Praxislehrgang für humanwissenschaftliche Qualitätsanalyse, kurz: HQA, abgeschlossen. Am Institut für Architektur- und Wohnpsychologie, kurz: IWAP. Gleich danach habe ich mit meiner Abschlussarbeit – die Analyse eines Vierkanthofes in Oberösterreich – begonnen.
Aber ich beginne von vorne. Die HQA ist eine wissenschaftliche Methodik zur Bestimmung der menschlichen Qualitäten von Wohnungen, Gebäuden und Siedlungen. Sie stellt derzeit die einzige, durch interdisziplinäre Forschung abgesicherte Methodik dar, die dazu in derLage ist, die Qualität von Gebäuden oder gebauten Umwelten aus menschlicher Perspektive systematisch zu erfassen, noch bevor das Objekt errichtet und bewohnt ist, also während der Planungsphase! So, nun genug der Definition.
Als ich nach dem Basislehrgang und einigen Aufbaumodulen der Wohn- und Architekturpsychologie im Praxislehrgang für die HQA angekommen war, stellte ich mir ehrlich die Frage, warum ich mich dafür entschieden hatte – passt doch gar nicht für mich! Wir hatten soviele große Wohnungsbauten bzw. Wohnsiedlungen in größeren Städten analysiert und es fiel mir teilweise echt schwer, diese neutral zu beurteilen. Ja, ich gebe zu, ich bin ein kleines Landei. Ich konnte mir anfangs auch gar nicht recht vorstellen, wo ich diese Methodik in meinem beruflichen Alltag gut gebrauchen könnte…?
Unser Objekt für die Abschlußarbeit durften wir zum Glück selber wählen und auf wundersame Weise bot sich mir damals ein typisch oberösterreichischer Vierkanthof, der von 3 Generationen mit 3 Haushalten bewohnt wurde an.
Im Laufe dieser Qualitätsanalyse (die übrigens zeitlich mehrere Tage in Anspruch nimmt), bei der also angeschaut wird, inwieweit das Gebäude und die dazugehörigen Freiflächen (der Garten) die menschlichen Wohnbedürfnisse erfüllen, wusste ich plötzlich ganz genau, warum ich mich dafür entschieden hatte. Das passt doch perfekt für mich! Denn dadurch ist es möglich, Raumstrukturen zu planen, die ein wohlwollendes Miteinander fördern. Ja, auch „am Land“ ist das ein immens wichtiges Thema – ich sag‘ nur Generationenwohnen! ;-)
Man möchte meinen, wenn nur die viele Arbeit nicht wäre, ist es wohl ein Traum auf einem Bauernhof zu leben. Es ist für alles und jeden genug Platz vorhanden – weit gefehlt! Die viele Arbeit ist mit der heutigen Technik nicht mehr die größte Herausforderung.
Ich bin selber auf einem typischen 3-Generationenhof aufgewachsen und es waren sogar sehr bald 2 Wohneinheiten vorhanden, später sogar 4 (!) Wohneinheiten, doch wurde es über die Jahre nicht wirklich friedlicher.
Heute habe ich dank der Architektur- und Wohnpsychologie verstanden, dass die zwischenmenschlichen Konflikte in meinem Elternhaus schon alleine aufgrund der baulichen Strukturen vorgeplant – im wahrsten Sinne des Wortes – waren.
Ich weiß, dass es auf den allermeisten Höfen dringenden Bedarf gibt, diese großartige Methodik und Systematik der Qualitätsanalyse anzuwenden. Wieviele unnötige Schuldzuweisungen und soziale Konflikte würde man sich dadurch ersparen können… Ich verknüpfe die humanwissenschaftliche Qualitätsanalyse mit Baubiologie, Wohnpsychologischen Aspekten der Innenraumgestaltung und Feng Shui.
Es freut mich, wenn ich mit meiner Arbeit das Zusammenleben am Bauerhof erleichtern und den Alltag harmonischer machen kann. Vielleicht als nächstes bei dir Zuhause?
Alles Liebe,
Birgit

